Resident Evil 7 im Test: Die PSVR-Killer-App ist da

Resident Evil 7 ist da – und will nicht weniger als mit Herrenhaus, Gewalt und Virtual Reality den Chef im Horror-Genre markieren. PlayStation VR-Test!

Mal ehrlich: Resident Evil hatte seinen Reiz für Fans der ersten Stunde lange verloren. Statt spannender Zombie-Hatz war da nur noch Action-Gebolze im Blockbuster-Stil. Prinzipiell nicht verkehrt. Aber eben nicht das, womit die Reihe einst den Horror-Thron bestieg. Die Fans wollen etwas anderes, echteres, direkteres. Weniger Figuren, einen enger abgesteckten Schauplatz. Gegner, die einem nicht nur durch ihr schauriges Äußeres Angst einjagen, sondern sogar ein bisschen übermächtig sind. Entschlacktes, dafür eindringlicheres Gameplay. Mit Rätseln.

Würdet ihr das so unterschreiben? Dann seid ihr bei Resident Evil 7: Biohazard richtig.

Capcom liefert mit dem neuen Teil eine radikale Rückbesinnung auf die alten Teile ab. Allein das Setting: Protagonist Ethan Winters fährt nach Louisiana zu einer alten Plantagenvilla, weil er nach drei Jahren endlich ein Lebenszeichen von seiner verschwundenen Frau erhält. Sinnbildlich für den Südstaaten-Ausflug steht der weitere Spielverlauf. Es geht bergab. Die Baker-Familie, die das Anwesen bewohnt, empfängt Ethan nicht zum Kaffee-Kränzchen, sondern eher wie eine Neuauflage der Freaks aus Texas Chainsaw Massacre. Nur dass der Dachschaden der Bakers noch größer ausfällt. Nicht nur, dass die Hütte vor Ungeziefer, Tier-Kadavern und anderen Abartigkeiten schier platzt, es lauern gar Monster in den Schatten des Herrenhauses.

Fan-Service und Brachial-Horror

Bei den Veteranen klingelt’s. Ja, Capcom spielt mit Referenzen zu Resident Evils Horrortagen. Das Interieur des Hauses hat Ähnlichkeit zum Herrenhaus aus dem Erstling, es gibt klassische Resi-Rätsel und sogar ein bisschen Backtracking muss der Spieler auf sich nehmen. Wie in den 90ern ist auch das Inventar viel zu klein, man kann Items in Kisten lagern und das Spiel auf Tape-Recordern speichern – eine Reminiszenz an die Schreibmaschinen. Auf den ersten beiden Schwierigkeitsgraden könnt ihr allerdings beliebig oft speichern. Eine Savegame-Begrenzung gibt’s nur auf dem Irrenhaus-Schwierigkeitsgrad, den man nach dem Durchspielen freischaltet. Das kann man als gestrig bezeichnen, ich sehe es eher als Hommage.

Aber keine Angst: Resident Evil 7 ist kein Aufguss. Capcom besinnt sich viel mehr auf die Stärken der Reihe: Harter Horror, lachenweise Blut, eine beklemmende Atmosphäre und das permanente Gefühl der Unterlegenheit. Und füllt die Zwischenräume mit sinnvollen Neuerungen und Änderungen. Zum Beispiel findet ihr immer wieder Videokassetten, die ihr in VHS-Rekorder einlegen und so Rückblenden erleben könnt. Die sind zwar optional, runden aber die Story schön ab. Die wichtigste Änderung: Ihr blickt Ethan nicht über die Schulter, sondern spielt ihn aus der Ego-Perspektive. Und die bringt’s natürlich. Gerade, wenn man sich Resident Evil 7 mit PlayStation VR zumutet.

Ich verwende hier bewusst das Wort zumutet, weil die Erfahrung wirklich heftig ist. Der Unterschied von der normalen Version zur PlayStation-VR-Spielweise ist in etwa so, als würdet ihr einen Horrorfilm aus den 80ern mit einem aktuellen Schocker wie The Conjuring 2 vergleichen. Virtual Reality hievt den Horror schlicht auf eine neue Ebene. Und Resident Evil 7 ist krass. Weit krasser als so ziemlich alle Horrorgames der letzten Jahre. Unheilvolles Sounddesign, heftige Jumpscares und explizite Gewaltszenen – immer on point. Ja, die Entwickler ziehen alle Atmosphären-Register.

Eins, zwei, Jack kommt mit der Schaufel vorbei

Auch wenn die Gegner in VR freilich eindrucksvoll sind und zu Beginn noch ordentlich schockieren – man gewöhnt sich im Spielverlauf ein Stück weit daran und auch das repetitive Gegner-Design sorgt mit zunehmender Spielzeit für eine gewisse Abstumpfung. Viel schlimmer als abgesägte Gliedmaßen und zerschellte Köpfe ist aber der psychologische Horror. Plötzlich hämmert es durch die Wand, Gegenstände fallen um und dann immer dieses irre Geschwafel der Bakers. Die schleichen herum und wollen euch töten. Das Tückische: Ihre Laufwege sind unberechenbar. Ich hatte im Test ständig das Gefühl, Familienoberhaupt Jack könnte jeden Moment hinter mir stehen und mir die Schaufel über den Kopf ziehen. Ist mir dann auch ein paar Mal passiert. Und dann heißt es meist: Beine in die Hand nehmen. Manchmal lässt er sich schnell abhängen, manchmal verfolgt er euch aber durchs ganze Haus und gibt erst Ruhe, wenn Ethan seine Eingeweide losgeworden ist und der Game-Over-Screen auftaucht.

Damit ihr neben Gänsehaut und Ekel nicht noch gegen Motion Sickness kämpfen müsst, bietet das Game diverse Einstellungen für den VR-Modus. Zum Beispiel lässt sich die Bewegungsgeschwindigkeit reduzieren und die Kopfbewegung je nach Wunsch in 30- oder 45-Grad-Schritten vornehmen. Kann man alles tun, muss man aber nicht – angenehm gelöst. Obendrein kann man im VR-Modus freilich auch um die Ecken spähen, was im TV-Betrieb nicht funktioniert. Grafisch gehört Resident Evil 7 ganz klar zu den schöneren PlayStation VR-Spielen, was vor allem dann gilt, wenn man’s auf der PS4 Pro spielt. Dennoch gibt’s immer mal wieder nachladende Objekte und auch die ein oder andere matschige Textur. Kleine Randnotiz: Aktuell ist das Spiel nur auf der PlayStation VR-tauglich. Da der Deal mit Sony aber nur zeitexklusiv ist, folgt später auch Oculus Rift– und HTC Vive-Support.

Zurück auf dem Horror-Thron

Mit Resident Evi 7 besinnt sich Capcom endlich wieder auf die Stärken, die die Reihe einst definierten: Derber Survival-Horror, der vor abartigen Einfällen nur so strotzt, dem Spieler Nerven wie Drahtseile abverlangt – und im VR-Modus trotz grafischer Abstriche überzeugt. Die erste Killer-App für PlayStation VR – vorausgesetzt man hat die Eier für diesen rund zehnstündigen Trip.

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