Here They Lie: Der Horror-Walking-Simulator im Test

Horror und VR – das passt einfach zusammen. Eins der Games, das diese beiden Komponenten verbindet, ist Here They Lie. Wie sich das Spiel in der Praxis schlägt? Test!

Komischerweise hielt sich Sony im Release-Vorfeld ziemlich bedeckt dazu. Komisch eigentlich, denn die kreativen Köpfe hinter dem Projekt haben vorher zum Beispiel an Call of Duty und Tomb Raider gearbeitet und brauchen sich deshalb nicht zu verstecken.

 

Riesen-Anzüge und bunte Kleider

Statt um Archäologinnen und Kriegstreiben geht’s in Here They Lie aber um etwas weit Surrealeres. Aus der Ego-Perspektive begibt sich der Spieler in eine größtenteils verlassene und verquere Albtraum-Welt, die von schwarz-weißen Kulissen dominiert wird und nur selten Farbe zulässt. Und das Wort Kulisse sei hier hervorgehoben, denn das ist die Spielwelt primär einfach. Viele Interaktionspunkte bietet die Umgebung nicht, stattdessen bestehen die Spielmechaniken hier hauptsächlich aus Erkunden und Schleichen. Und ab und zu aus dem Aufsammeln von Papierfetzen, auf die kryptische Botschaften gekritzelt wurden. Ja, die Story von Here They Lie ist ziemlich abstrus und der Mangel an spielerischer Herausforderung lässt einem permanent Fragen im Kopf herumschwirren: Wer ist dieser riesige Typ im Anzug, der plötzlich aus der Fahrplan-Anzeige im U-Bahn-Schacht kommt und mir fast einen Herzinfarkt verpasst? Und wer die Dame im grellgelben Kleid vom Spielintro?

Die Antworten bleibt Here They Lie freilich erst mal schuldig. Dafür geizt es nicht mit Horror-Elementen. Die ganze Zeit schwingt so eine unterschwellige Angst mit, gleich könnte etwas Krasses passieren. In völligem Bewusstsein, dass man sich im Härtefall nicht wehren kann, denn ähnlich wie in Outlast trägt die Spielfigur keine Waffen – was das Game noch bedrohlicher macht. Denn wenn der Horror kommt, kommt er hart. Auch dank der guten 3D-Soundkulisse, die einen jedes Geräusch genau orten lässt. Gibt man den Löffel doch mal ab, geht’s am letzten Rücksetzpunkt erneut los und der ist in der Regel sehr fair gesetzt.

 

VR-Horror in kleinen Portionen

Statt weiterzuspielen, kann man aber auch einfach mal eine Pause machen. Und das kann ich echt empfehlen. Meine erste Here They Lie-Test-Session musste ich nach rund 20 Minuten abbrechen, eine Tablette gegen die Kopfschmerzen nehmen und mich erst mal hinlegen, weil ich mit Motion Sickness zu kämpfen hatte. Hatte ich in der Form noch nie, da ich eigentlich überhaupt nicht anfällig dafür bin. Warum gerade das hier so Ärger macht? Nun, ich habe da zum Beispiel das fehlende Kollisionsfeedback in Verdacht. Man kann einfach bis auf die Nasenspitze an die Wand ran, ohne dass irgendwas passiert. Und dann ist da noch die die spezielle Steuerung. Will man sich in Here They Lie umsehen, klappt das nicht klassisch in einer durchgehenden Drehung via Analogstick. Stattdessen blendet das Spiel die eigentliche Bewegung aus und setzt nach einem Cut an der neuen Position ein. Laut den Entwicklern soll das gerade Motion Sickness vorbeugen. Treibt man’s mit dem Feature aber zu bunt, schlägt’s direkt auf den Magen.

Das ist deshalb besonders ärgerlich, weil sich das Game sonst alle Mühe gibt, so angenehm wie möglich zu bleiben. Die Spielfigur bewegt sich langsam, die Routen sind recht klar definiert, der Actionanteil ist niedrig. Mein Tipp deshalb: Here They Lie in kleinen Dosen genießen. Allzu viele braucht’s davon auch nicht, denn nach gut zwei Stunden ist der Horror-Walking-Simulator auch schon vorbei.

 

Spielspaßbremse Motion Sickness

Here They Lie ist mehr Spielerfahrung als Spiel. Und das ist auch in Ordnung. Das Artdesign ist richtig schön geworden, die Schockmomente heftig und das Spielkonzept passt zur tristen, aber starken Atmosphäre. Beinharte Horror-Enthusiasten mit PlayStation VR können hier wirklich Spaß haben, gerade weil es bis auf Rush of Blood noch kaum Genre-Vertreter gibt und der Preis mit 20 Euro fair ist. Nur für Motion-Sickness-Anfällige kann Here They Lie echt zur Qual werden.

 

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